–Das Glossar wird laufend aktualisiert und erweitert.–

Account/Profil
‚Account‘ ist die Abkürzung von ‚user account’, im Deutschen auch ‚Benutzerkonto‘.
Eigentlich bezeichnet ‚Account’ die Berechtigung zu einem zugangsbeschränkten IT-System. Mit einem Benutzernamen und Kennwort authentifizieren sich Benutzer*innen für den Zugang zu ihrem Account. Oft wird der Begriff aber auch umgangssprachlich synonym zu ‚Profil‘ verwendet, dann bezeichnet er den individuellen Auftritt/die persönliche Webseite von Nutzer*innen innerhalb eines Sozialen Netzwerks.

Clickbaiting
Mit Clickbaiting wird medienkritisch die Strategie bezeichnet, Inhalte im Internet mit einem „Klickköder“, in der Regel in Form einer reißerischen Überschrift, anzupreisen. Clickbaits dienen dem Zweck, höhere Zugriffszahlen und damit unter anderem mehr Werbeeinnahmen durch Internetwerbung oder eine größere Markenbekanntheit der Zielseite zu erzielen.

Feed/Timeline
Der ‚Feed‘ ist mittlerweile auf jedem Sozialen Netzwerk die Startseite. Von den dort eingehenden Verlinkungen geht es zu Nachrichtenseiten oder Blogs, Einkaufsangeboten oder Spielen. Bei Facebook nennt man diese Front- oder Startseite ihrer wichtigsten Funktion entsprechend „Newsfeed“, bei Twitter heißt sie „Timeline“, bei Tumblr „Dashboard", bei fast allen spricht man aber auch einfach nur von „Feed“. Bestimmt werden Auswahl und Abfolge der in einem Feed angezeigten Inhalte durch Algorithmen.
Im Newsfeed sammeln sich Kontakte und Interessen, Inhalte von befreundeten Personen, öffentlichen Persönlichkeiten, Zeitungen oder Institutionen, sprich allen, denen man ‚folgt‘ – und natürlich sehr viel Werbung. Der Facebook-Newsfeed oder die Twitter-Timeline vermitteln ihren Nutzern das Gefühl, einen Überblick zu erhalten und gleichzeitig etwas ganz Spezielles oder Persönliches zu erfahren. Der Feed ist der wichtigste Austragungsort für das soziale Leben im Internet und der Zugang zum restlichen World Wide Web – ein langer Eingangsflur, von dem aus unzählige Türen abgehen.

Filter
Jede Fotografie-App und -Funktion innerhalb und außerhalb Sozialer Netzwerke bietet ‚Filter’ zur Bildbearbeitung an. Populär wurden Filter vor allem in der Anfangszeit von Instagram, dessen erstes Logo nicht zufällig eine Polaroid-Kamera zitierte. Auch die zu Beginn verfügbaren Filter orientierten sich an der (Farb-)Ästhetik der früheren Instant-Fotografien, ebenso das quadratische Format. Filter sollten deshalb auch nicht vorrangig der Verschönerung von Bildern dienen, sondern der Suggestion von Authentizität. Mit Filtern ließ und lässt sich nahelegen, dass es sich um Momentaufnahmen handelt. Deshalb wird mit jedem Filtereffekt eine gewisse Stimmung ausgedrückt. Die Auswahl des Filters dient somit dazu, die subjektive, gefühlsmäßige Situation näher zu charakterisieren. Dadurch wandelt sich das von Roland Barthes formulierte „Es-ist-so-gewesen“ der Fotografie – das sich auf die äußere, sichtbare Wirklichkeit bezog – zu einer subjektiven und situativen Aussage: „Es-ist-bei-mir-gerade-so“, die sich auf den Gefühlszustand, die innere Wirklichkeit, bezieht. Die vermeintliche Authentizität des Bildes entsteht somit durch den Live-Charakter, den Filter suggerieren.

Katja Gunkel: Der Instagram-Effekt (2018)

Hashtag
Ein ‚Hashtag‘ dient der Markierung bestimmter Inhalte mit dem Ziel der Vernetzung. Er bezeichnet das Doppelkreuz, das vor ein Schlagwort gesetzt wird, unter dem der Inhalt anderen Nutzer*innen angezeigt und mithilfe der Suchfunktion aufgefunden werden kann.
Meistens ordnet ein Hashtag das Geschriebene in einen größeren Zusammenhang ein, wenn er z.B. ein bestimmtes Thema benennt: #Feminismus, #Selfie, #Bergfest. Viele Themen werden mittlerweile innerhalb Sozialer Netzwerke auch über einen oder mehrere Hashtags definiert, der wiederum die Plattform bildet, auf der sich über das jeweilige Thema ausgetauscht wird. Populäre Beispiele sind etwa #JeSuisCharlie, #RefugeesWelcome, #EheFürAlle oder #metoo. Aber nicht nur über tagespolitische Themen tauschen sich Nutzer*innen mithilfe von Hashtags aus, sondern auch verschiedene (Fan-)Communities werden damit markiert.
Besondern auf Instagram haben Hashtags oftmals die Funktion, Inhalte zu legitimieren, oder sie sind dabei behilflich, sie sogar erst zu kreieren: In diesem Sinne wird ein Selfie mit #selfieoftheday verschlagwortet oder ein altes Familienfoto mit #tbt („Throwbackthursday“).
Auch eine Ästhetisierung von Hashtags hat längst stattgefunden, dann geht es weniger um Vernetzung und Austausch, als vielmehr darum, die eigenen Kreativität und Coolness unter Beweis zu stellen.

Berit Glanz: Rhetorik des Hashtags (2018)

Influencer*in
‚Influencer*innen‘ sind Personen, die aufgrund der hohen Anzahl an Followern in Sozialen Netzwerken über eine so große Reichweite und damit Einfluss verfügen, dass sie selbst als Werbeträger*innen und ihre Profile als Orte für Produktplatzierung dienen können. Man spricht dann vom ‚Influencer-Marketing‘.
Die Profile der Influencer*innen sind in den meisten Fällen eine Plattform für die Inszenierung ihrer Persönlichkeit: ihres Lebens und ihrer individuellen Vorlieben hinsichtlich Ernährung, Mode, Reisen, Wohnen usw.
Entdeckt wurden Influencer*innen von Firmen, da sie deren Produkte als Privatpersonen viel authentischer bewerben können. Allerdings steht die gezielte Inszenierung von Glaubwürdigkeit bereits seit längerer Zeit unter der Kritik: Es handle sich dabei um gezielte Manipulation.
Sosehr Influencer*innen verschiedenen Marken als Botschafter*innen dienen, so dienen umgekehrt die Markenprodukte auch dem Generieren von Inhalten für ihre Profile und erleichtern ihnen den Aufwand der Selbstinszenierung.

Linsen/Masken
Die im September 2015 von Snapchat eingeführten „Linsen“ und später auch die von Instagram adaptierten „Masken“ sind Effekte, die auf einer Gesichtserkennung basieren und die dadurch entstandene Transformation in Echtzeit animieren. Außerdem sind sie interaktiv und können durch Handlungen, die von der App angewiesen werden, beeinflusst werden. „Öffne Deinen Mund“ ist beispielsweise eine oft verwendete Handlungsanweisung – befolgt man diese, während man etwa eine Hundemaske auf Snapchat trägt, so breitet sich eine riesige Zunge über das Display aus.
Die Grundlage für jede Linse ist das Selfie. Was in Selfies schon angelegt ist, kommt jedoch mit den Linsen erst richtig zum Ausdruck: Sie verleihen dem Gesicht eine Comic-ähnliche Gestalt und bringen es damit ästhetisch in die Nähe von Emoticons. Zudem gibt es ein Set an Charakteren und Emotionen, das zwar variiert – jeden Tag kommen neue Linsen hinzu und ältere verschwinden –, aber insgesamt stets vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Linsen dienen nicht nur als Verschönerung, sondern im wahrsten Sinne des Wortes als Maske, die ihre Träger*innen einerseits von dem Druck entlastet, immer schön und gestylt auszusehen, und andererseits von der Verpflichtung entbindet, permanent interessante Inhalte veröffentlichen zu müssen. Sich ein Paar Häschenohren aufzusetzen, ist nur ein Gag, nicht so ernst gemeint – aber immerhin hat man mal wieder ‚Content‘ kreiert.

Like/Liken
‚Like‘ ist die Bezeichnung für einen Button, mit dessen Betätigung Nutzer*innen ausdrücken können, dass ihnen ein Posting gefällt. In den Anfangsjahren hatten die meisten Sozialen Netzwerke noch keinen „Gefällt mir“-Button, sondern lediglich die Möglichkeit, einen Beitrag zu kommentieren. Von Facebook wurde das ‚Like' schließlich Anfang 2009 eingeführt, um emotionale Äußerungen zu bündeln und damit eine schnelle und unmittelbare Interaktion mit der Plattform zu ermöglichen. Mit einem ‚Like‘ signalisieren Nutzer*innen seither, dass sie etwas positiv bewerten, oder aber auch nur, dass man etwas wahrgenommen hat. Häufig wird ein ‚Like’ auch als Gegengabe für ein selbst erhaltenes ‚Like’ erteilt – oder soll umgekehrt eine Gegengabe provozieren. Die Nutzung Sozialer Netzwerke kreist wesentlich um das Senden und Empfangen von ‚Likes’. Es hat sich bisweilen sogar eine eigene soziale Logik des Likens etabliert, die auch damit zusammenhängt, dass es auf vielen Plattformen lange kein ‚Dislike‘-Button gab – eine Tatsache, die im Netz viel diskutiert und kritisiert wurde.
Viele ‚Likes' sind zu einem Statussymbol geworden. Erfolg und Popularität wird wesentlich über ihre Anzahl gemessen.

Johannes Paßmann: Die soziale Logik des Likes. Eine Twitter-Ethnografie (2018)

Livestream
2007 kamen die ersten Livestream-Dienste auf den Markt, die es Nutzer*innen ermöglichen sollten, kostenlos und in Echtzeit ins Internet zu streamen: Ustream, Justin.tv, Livestream und Bambuser. Es folgten YouTube Live 2008, Chatroulette 2009, twitch.tv und YouNow 2011. In den letzten Jahren ging es Schlag auf Schlag: erst Meerkat, dann Periscope und schließlich Facebook-Live. Auf der deutschen Website von YouTube wird die Funktion mit dem Slogan »Go big, go live« beworben. Livestreaming wurde 2015 und 2016 als einer der wichtigsten Social-Media-Trends verhandelt.
Der große Erfolg ist vor allem auf die Verknüpfung mit Facebook und Twitter zurückzuführen, die es den Nutzern ermöglicht, ihre Live-Videos direkt an ein bestehendes Netzwerk anzuschließen und an vorhandene Freunde und Follower zu adressieren. Zudem fällt er mit der zunehmenden Echtzeit-Kommunikation zusammen, die in den klassischen Sozialen Medien durch die Fokussierung auf Sende-, Empfangs- und Lesezeiten, aber erst recht in Videotelefonaten oder -nachrichten mittels Skype, Facetime oder Snapchat forciert wird.

Annekathrin Kohout: Livesteaming is Life (2017)

Rebloggen/Sharen/Teilen
Wie ‚Like' bezeichnet auch ‚Reblog‘, ‚Share‘ oder ‚Teilen‘ einen Button. Seine Betätigung führt dazu, dass der jeweilige Inhalt auf der persönlichen Timeline erneut veröffentlicht wird und somit einen erweiterten Adressatenkreis erreicht. Damit ist die Funktion des „Teilens“ das bedeutendste Werkzeug, um Inhalte in den Sozialen Netzwerken zu verbreiten. Was innerhalb kurzer Zeit von sehr vielen Nutzer*innen geteilt wird, verbreitet sich viral im Social Web. Bei vielgeteilten Bildern oder Videos spricht man dann von ‚Memen‘, ein Begriff, der 1976 (und etwas fragwürdig) von Richard Dawkins aus der Evolutionsbiologe abgeleitet wurde: Im Unterschied zu einem Gen ist ein Mem keine biologisch vererbte Information, sondern wird über kulturelle Artefakte gefasst und weitergegeben.
Die für die Sozialen Netzwerke konstitutiven Praktiken des Teilens stehen immer wieder deshalb in der Diskussion, weil viele Inhalte urheberrechtlich geschützt sind und daher eigentlich nicht ohne vorherige Genehmigung und eventuelle Vergütung verwendet werden dürfen.

Kathrin Passig: Wozu brauchen wir freie Werke? (2017)    Wolfgang Ullrich: Über den Kick beim Rebloggen (2015)

viral
Eine exponentielle und meist in kurzer Zeit sich ereignende Verbreitung von Bild-, Ton-, Text- oder Videodateien in einzelnen Sozialen Netzwerken oder auch über diese hinaus bezeichnet man als ‚viral‘. Einem Virus gleich vermehren sich Kopien der Dateien; viele einzelne ‚Shares‘ lösen Kettenreaktionen aus.
Sosehr es von zufälligen Faktoren wie Ort, Zeit und nicht zuletzt bestimmten Algorithmen abhängt, welches Bild oder Video viral geht, so sehr müssen die jeweiligen Inhalte zugleich eine gewisse Disposition dafür aufweisen. Um oft geteilt zu werden, sollte etwa ein Bild dazu einladen, kommentiert und bestenfalls sogar bearbeitet zu werden und möglichst vielen Kontexten standhalten können.